Erbrecht

Dieses Kapitel befasst sich ausschließlich mit erbrechtlichen Problemen, die nach dem Erbfall häufig auftreten. Die erbrechtliche Vorsorge ist Thema des Abschnitts "Erbverträge und Testamente".

Fragen zu Vermögensübertragungen im Wege der vorweggenommenen Erbfolge und den damit oft verbundenen Abfindungen und Pflichtteilszahlungen finden Sie im Kapitel "Vermögensübertragungen zu Lebzeiten".

Erbschaftsstreitigkeiten gehören zum schlimmsten, was einer Familie widerfahren kann. Deswegen sollten alle Maßnahmen unmittelbar nach dem Erbfall das vorrangige Ziel haben, solche Streitigkeiten zu vermeiden.

Der erste Streit entzündet sich häufig schon an der Frage, was der Verstorbene überhaupt hinterlassen hat. Deshalb sollten die Beteiligten sich möglichst frühzeitig zusammen setzen, um einvernehmlich den Umfang des Nachlasses festzustellen und die einzelnen Nachlassgegenstände aufzulisten. Dabei können bereits rechtliche Probleme auftauchen, wenn beispielsweise nicht eindeutig feststeht, ob bestimmte Gegenstände dem Verstorbenen allein gehört haben, oder dem überlebenden Ehegatten, oder beiden gemeinschaftlich. Auch bei Lebensversicherungen kann zweifelhaft sein, ob diese überhaupt zum Nachlass gehören oder am Nachlass vorbei direkt an einen Begünstigten fallen. Um Streit über diese Fragen zu vermeiden, kann nur empfohlen werden, sich bereits zu einem möglichst frühen Zeitpunkt anwaltlich beraten zu lassen.

Bis zur einvernehmlichen Feststellung des Nachlasses sollten alle Beteiligten von Eigenmächtigkeiten absehen und keinesfalls bereits Gegenstände an sich nehmen, die zum Nachlass gehören, oder von denen andere Beteiligte auch nur glauben könnten, sie gehörten zum Nachlass. Auch die Rücknahme von Gegenständen, die man dem Verstorbenen früher einmal geliehen hat, oder die Entnahme von Nachlassgegenständen, die einem der Verstorbene irgendwann einmal versprochen hat, sollten im Interesse einer Streitvermeidung keinesfalls eigenmächtig vorgenommen werden. Es muss sogar davor gewarnt werden, eigenmächtig Kleidungsstücke, Mobiliar, Wäsche oder ähnliche Dinge, die man selbst für wertlos hält, schon frühzeitig als Müll zu entsorgen oder gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung zu stellen. Fast immer findet sich nachträglich ein Miterbe, der das eine oder andere weggegebene Stück gern gehabt hätte oder auch nur meint, man hätte es zu Gunsten des Nachlasses noch zu Geld machen können.

Nur eine sorgfältige Auflistung aller Nachlasswerte und Nachlassgegenstände ermöglicht eine sachliche Auseinandersetzung über die Verteilung des Nachlasses unter den Miterben und Vermächtnisnehmern und über eventuelle Pflichtteilsansprüche übergangener Erben.

Ob man dann anschließend gleich mit der Verteilung des Nachlasses beginnt, muss gut überlegt sein. Einerseits möchten die Erben und Miterben natürlich schnell in den Besitz des Nachlasses kommen. Außerdem soll in vielen Fällen die Wohnung des Verstorbenen zur Vermeidung weiterer Kosten möglichst schnell aufgelöst werden. Andererseits muss aber berücksichtigt werden, dass auch Wochen nach dem Erbfall noch ein Testament oder ein oder mehrere weitere Testamente auftauchen könnten. Wenn beispielsweise ein Testament bei Gericht hinterlegt ist, werden die Angehörigen davon in aller Regel erst einige Wochen nach dem Erbfall benachrichtigt. Hier muss jede Erbengemeinschaft für sich entscheiden, wie wahrscheinlich das nachträgliche Auftauchen von Testamenten im Einzelfall ist, und wann deshalb mit der Aufteilung des Nachlasses begonnen werden soll.

Wenn zum Nachlass Grundvermögen gehört, sollte man dieses möglichst bald auf die neuen Eigentümer umschreiben lassen. Erfahrungsgemäß werden solche Dinge jahrzehntelang vergessen, wenn sie nicht sofort erledigt werden. Nach Jahrzehnten müssen dann unter Umständen alle zwischenzeitlich angefallenen Erbfälle aufgearbeitet werden, um die Grundbucheintragungen wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Innerhalb von zwei Jahren ab dem Todesfall nehmen die Grundbuchämter die durch den Erbfall erforderlich gewordenen Grundbuchberichtigungen kostenlos vor.

Für die Berichtigung der Grundbücher muss die Erbfolge allerdings nachgewiesen werden. Dieser Nachweis kann geführt werden durch Vorlage eines notariellen Testamentes oder Erbvertrages in Verbindung mit dem gerichtlichen Protokoll über die Eröffnung des Testamentes oder Erbvertrages. Liegen solche Urkunden nicht vor, muss ein Erbschein beantragt werden. Der Erbscheinsantrag kann bei jedem Notar zu Protokoll erklärt werden. Den Antrag kann auch ein Erbe allein stellen. Trotzdem werden dann aber alle Erben mit ihren Anteilen am Nachlass im Erbschein genannt. Es ist also nicht erforderlich, dass alle Erbe einzeln oder alle gemeinsam einen solchen Erbscheinsantrag stellen.

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