Strafrecht

Strafrechtliche Probleme haben ihre Ursache häufig darin, daß der Bürger plötzlich und für ihn völlig überraschend mit einem gegen ihn gerichteten strafrechtlichen Verdacht konfrontiert oder bei einer tatsächlichen oder vermeintlichen Straftat ebenso überraschend auf frischer Tat ertappt wird. Dieser Überraschungseffekt sorgt häufig dafür, dass man sich bereits beim ersten Kontakt mit den ermittelnden Polizeibeamten völlig falsch verhält und Fehler macht, die später nicht mehr repariert werden können. Aus anwaltlicher Sicht kann es deshalb für die erste Konfrontation mit den ermittelnden Polizeibeamten nur einen Rat geben:

Machen Sie vollständige und wahrheitsgemäße Angaben zu Ihren Personalien.
Zur Sache sagen Sie kein Wort.


Lassen Sie sich nicht einmal von den ermittelnden Beamten in ein Gespräch verwickeln. Auch wenn Sie verhindern, dass eine Aussage protokolliert wird und nichts unterschreiben, findet sich alles, was Sie gesagt haben, hinterher in einem Aktenvermerk des Beamten wieder.

Die Beamten mögen zu Ihnen noch so freundlich sein, Sie dürfen nie vergessen, dass diese Beamten das Ziel haben, Sie einer Straftat zu überführen, und zwar gerade Sie und nicht irgendeinen anderen, der den Beamten gerade jetzt nicht gegenübersitzt. Betrachten Sie die ermittelnden Beamten deshalb immer als Ihre Gegner, wenn Sie wegen einer Straftat verdächtigt oder beschuldigt werden.

Nur in einem einzigen Fall kann es gerechtfertigt sein, ohne Akteneinsicht durch den Verteidiger und deshalb ohne genaue Kenntnis der Beweislage gegenüber der Polizei Aussagen zu machen, nämlich dann, wenn Ihnen ansonsten Untersuchungshaft wegen Verdunklungsgefahr droht. Wann dies der Fall ist, kann aber in der Regel nur ein erfahrener Verteidiger beurteilen. Sie sollten deshalb immer darauf bestehen, dass bereits bei der ersten Vernehmung durch die Polizei ein Rechtsanwalt anwesend ist und bis zu seinem Eintreffen zur Sache keinerlei Angaben machen.

Die Polizei hat allen Grund, Sie zu einer Stellungnahme zu den erhobenen Vorwürfen zu bewegen. Bei einer großen Zahl von Ermittlungsverfahren ist eine Aufklärung nämlich ohne die Mithilfe des Beschuldigten oder Verdächtigten überhaupt nicht möglich.

Denken Sie immer daran, dass Sie in einem Rechtstaat leben, in dem nicht nur jeder erwiesenermaßen Unschuldige einen Anspruch auf Freispruch hat, sondern auch jeder, dem man eine Straftat nicht mit ausreichender Sicherheit nachweisen kann. Auch dieses Recht sollten Sie ohne Bedenken für sich in Anspruch nehmen.

Wenn Sie die vorstehenden Ratschläge befolgt haben, sollte ein erfahrener Strafverteidiger Einsicht in die Ermittlungsakten nehmen, um zu klären, wie die Beweissituation ist, und was die Ermittlungsbehörden überhaupt tatsächlich gegen Sie in der Hand haben.

Die vorstehenden Hineise gelten keineswegs nur für schwere kriminelle Straftaten. Auch bei alltäglichen Vergehen im Straßenverkehr wie Unfallflucht, Nötigung, Straßenverkehrsgefährdung, ja sogar bei punkteträchtigen Bußgeldsachen sollten Sie diese Ratschläge beherzigen.

Mit einer solchen Strategie haben Sie dann schon den besten Grundstein für eine erfolgreiche Verteidigung gegen die erhobenen Vorwürfe gelegt.
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